Terminal 3: Was im Verborgenen liegt von John Beckmann, Ivar Leon Menger

Terminal 3: Kapitel 23

Lennard Fanlay

Ich liege auf dem Rücken. Mein Kopf ist voller weichem Nebel.

Die Zimmerdecke ist weiß und viel zu hell. Auch das Krankenbett ist weiß.

Die Handschellen funkeln im grellen Deckenlicht.

„Er ist wach“, sagt eine sanfte Frauenstimme.

Jennings tritt in mein Gesichtsfeld. Er sieht jünger aus, als ich ihn in Erinnerung habe. Freundlicher. Ich lächle. Noch nie zuvor habe ich mich derart über den Anblick eines TSA-Beamten gefreut. Das Flugzeug wird am Boden bleiben, bis die Untersuchungen abgeschlossen sind. Piloten und Crew müssen zu dem Vorfall aussagen. Das ist Vorschrift. Und die TSA liebt ihre Vorschriften.

Die Frauenstimme erzählt etwas von Schmerzmitteln. Sie scheint sehr weit weg zu sein.

Jennings beugt sich zu mir hinunter. „Können Sie mich verstehen, Mr. Fanlay?“

Ich nicke.

„Was geht bloß in Ihnen vor?“, fragt Jennings. „Wir wissen inzwischen, dass der Co-Pilot nicht der ist, für den er sich ausgegeben hat – aber dafür den Start einer Passagiermaschine verhindern?“

Die Worte hängen zwischen uns wie in Spinnenweben.

Ich will ihm sagen, dass da noch mehr ist, dass da noch Robert Terry ist, doch ich bringe nicht mehr als ein Krächzen hervor. Meine Kehle fühlt sich an, als wäre sie mit Sandpapier tapeziert.

„Sobald es Ihnen bessergeht, werden Sie uns eine Reihe von Fragen beantworten müssen“, sagt Jennings. „Ich fürchte, diesmal haben Sie es wirklich zu weit getrieben“, fügt er kopfschüttelnd hinzu, so als würden wir uns bereits seit Jahren kennen.

Wahrscheinlich haben ihm seine Kollegen von mir erzählt. Der Gedanke erfüllt mich mit absurdem Stolz.

Er betrachtet mich noch einen Augenblick lang. Dann geht er wieder, und ich lasse mich zurück ins Kopfkissen sinken. Die Nebelschwaden werden dichter. Ich schließe die Augen. Und erstarre.

Bombe.

Ich sehe das Wort plastisch vor mir. Es reißt mich aus meinem Dämmerschlaf. Ich bin hellwach. Ich muss etwas unternehmen, solange es noch nicht zu spät ist. Ich will aufstehen, doch die Handschellen hindern mich daran. Ich schaue mich um, alles ist irgendwie verschwommen, die Frauenstimme sagt etwas, und ich nehme meine ganze Kraft zusammen und rufe: „Jennings! Jennings!“, in der Hoffnung, dass er noch da ist.

„Ich bin hier“, sagt er.

Eine Krankenschwester steht neben ihm. „Ich habe doch gesagt, keine Aufregung.“

Ihre Stimme ist jetzt nicht mehr ganz so weich.

„Telefon“, krächze ich. „Ich muss … telefonieren!“

Jennings legt den Kopf schief und kommt näher.

„Telefon“, wiederhole ich. „Meinen Anwalt …“

Ich befinde mich in Gewahrsam. Möglicherweise wurde ich sogar festgenommen. Mir steht ein Rechtsbeistand zu. Auch das ist Vorschrift.

Jennings weiß das natürlich. Er greift in seine Uniformjacke und holt ein Handy heraus.

„Kommen Sie damit zurecht?“

Ich hoffe es.

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