Terminal 3: Was im Verborgenen liegt von John Beckmann, Ivar Leon Menger

Terminal 3: Kapitel 27

Lennard Fanlay

Ich sitze in Bookbinders Bar und trinke einen Orangensaft. Er ist wunderbar kühl und bitter. Auch dieses Mal vertreibt er die Nebelschwaden.

Bookbinder steht mit durchgestrecktem Rücken hinter dem Tresen und späht an mir vorbei in das Terminal. Mit seinem weißen Westernhemd und dem ebenfalls weißen Schnurrbart sieht er aus, als würde er seine Rinderherde bewachen. In Wirklichkeit fixiert er jedoch den abgesperrten Eingang des Airport Hotels.

„Besteht ein Grund, sich Sorgen zu machen?“, fragt Bookbinder.

Ich schüttele den Kopf.

„Wieder mal falscher Alarm?“

„Nein. Aber es ist schon alles wieder vorbei.“

Die Bombe wurde entschärft. Die Bombe in der Geschenkbox. Ich weiß das, weil Marisa mir eine Nachricht geschickt hat. Marisa mit ihren schwarzen, langen Locken und der Vorliebe für Hochexplosives. Was ich nicht weiß, ist, warum sie es getan hat. Nach all der Zeit. Ich widerstehe der Versuchung, sie anzurufen und nachzufragen.

„Man erzählt sich, du wurdest verhaftet“, sagt Bookbinder.

Als Barkeeper dauert es nie lange, bis er auf dem neuesten Stand ist, was das Terminal und seine Menschen betrifft.

„Stimmt“, sage ich und fühle mich unendlich müde.

„Aber jetzt sitzt du hier.“

„Parker hat mich laufenlassen.“

Bookbinders schwere Hände klatschen auf den Tresen. „Duane Parker hat dich laufenlassen?“

„Genauso war‘s.“

„Dann lass dir lieber Augen am Hinterkopf wachsen, Leo.“

„Warum?“

„Du weißt doch, was man über Duane Parker sagt: Wenn er dich laufenlässt, dann nur um dir in den Rücken zu schießen.“

„Danke. Ich werde es mir merken.“

Bookbinder lächelt sein stilles, kleines Lächeln. Dann nickt er mir zu und geht ein Stück die Bar hinunter, wo ein anderer Gast etwas bestellen möchte.

Ich nippe an meinem Orangensaft und denke an all das, was in der vergangenen Nacht passiert ist. Ich denke an Kim und merke, dass ich ihr gerne davon erzählen würde. Von Robert Terry und seinem Video. Von dem falschen Co-Piloten und seiner Bombe. Von dem Einbruch in mein Haus und der Ankunft des Birmanen.

Ich hole mein Handy aus der Hosentasche. Noch bevor ich Kims Nummer wählen kann, klingelt es bereits. Ich gehe ran. Es ist das Police Department. Ich könne Marc jetzt abholen. Auch Karen wurde freigelassen. Es wird keine Anklage gegen sie erhoben. Ich bedanke mich und lege auf.

Soweit ich weiß, war es für beide die erste Verhaftung. Ich hoffe, sie haben sie gut überstanden.

Ich trinke mein Glas aus und stehe auf. Bookbinder zieht seine buschigen Augenbrauen hoch.

„Die Pflicht ruft“, sage ich.

„Das tut sie immer“, entgegnet er.

Wie recht er hat.

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